André Lorino, 34 Jahre, Schamane

In ziemlich verdreckten Klamotten, als hätte er gerade Erde umgegraben, mit Mütze und einem großen Armeerucksack wartet er auf der anderen Straßenseite. Große, sanfte Augen in einem hübschen, lachen- den Gesicht. Halb deutsch, halb sizilianisch. Ich hätte ihn gern früher am Morgen getroffen, aber nun ist er ja da, André, der Schamane, freier Künstler, psychologischer Berater, Caretaker, Kräuterkundiger, Natur- und Survivalguide … und … habe ich etwas vergessen? Ach ja: »Türöffner!« So steht es auf der Homepage seines schamanistischen Seminarhauses, dem »Wandelhaus«. Wir gehen ins Café Manna. Es ist laut und voll. Am letzten Tisch nehmen wir Platz und bestellen uns etwas zu trinken. André lacht. Er lacht oder kichert überhaupt die ganze Zeit. Beziehungsweise wir beide.

»Was macht denn ein Schamane so?«, frage ich. »Der nimmt Kontakt mit der Anderswelt auf.« Kurze Antwort. Der Kaffee wird uns gebracht, erstes Nippen, dann fährt André fort und erklärt, dass er als Schamane bei seinem Gegenüber schaut, wo sich ein seelisches Ungleichgewicht im Außen manifestiert hat und wie dies wieder in Balance zu bringen ist. »Und dafür gehen wir raus in die Natur, schauen: Was spricht einen dort an, welches Element spielt da eine Rolle.« Darüber kommt man dann Stück um Stück zum jeweiligen Kernthema. Oder wie André auch sagt: »Zu den eigenen Spirits.« Seine Arbeit also: Eine Hilfestellung, keine Heilung. Das muss man ja immer betonen. Sein Einstieg war damals der indianische Schamanismus. Aber der wirkliche Zugang, also den eigenen Zugang zur Anderswelt, den hatte er schon weit davor gehabt. »Die Anderswelt?,« frage ich. »Was meinst du damit?« »Irgendwelche Naturgeister«, erwidert André, »elfenartige flatternde Leuchtwesen im Wald.« Oder auch echte Geister. Geister, wie man sich halt manchmal Geister vorstellen würde. Solche Geister. Ich rücke näher. »Geister? Echte Geister?« Das will ich genauer wissen. »Wie sind die denn?« André überlegt. »Na ja, kurze eigenartige Erscheinungen.« Erscheinungen, die einfach da seien. „Nicht böse, keine Horrorgruselgeister wie im Film.“ Das nicht. Aber kalt sei es schon in ihrer Gegenwart. Und meist würden sie ein Bild darstellen, versuchen, etwas zu zeigen. »Was soll das?«, habe er oft nur gedacht. Ihre Botschaft nicht verstanden. Den Anblick unheimlich gefunden.

Ich staune. Und André erzählt, dass er mit etwa acht Jahren das erste Mal eine solche Erscheinung gehabt hat. Mit zwölf, dreizehn fing er allerdings an, sich dagegen zu wehren, und später in der Pubertät gab er sich lieber »gut die Kante«, als irgendwas zu spüren oder zu sehen, denn er hatte, klar, Angst. Angst, missverstanden zu werden, Angst, das alles nicht richtig rüberbringen zu können. »Ich hatte wahrscheinlich noch gar keinen Bezug zu dem, was als normal gilt,« sagt André. Und in der Tat, da er mit niemandem über seine Erlebnisse sprach, war er damit so ziemlich allein. Erst später und lange nach der Pubertät nahm André den Kontakt zu den Geistern wieder auf. Zögerlich und diesmal nach eigenem Maß. »Ich will diese Wahrnehmung dosieren, steuern können«, sagt er. »Und das geht?«, frage ich. »Ja«, erwidert André, er habe gelernt, sich nur zu von ihm gewählten Zeiten für die Wahrnehmung dieser fremden Energien zu öffnen, Energien, wie er nun erklärt, die sich erst in den Köpfen der Betrachter zu Bilder formten. »Heißt, wenn ich durch den Wald gehe und sehr bei mir bin, dann kann es sein, dass ich ziemlich viel sehe und rascheln höre und mir mitunter kalt wird.« Ich frage ihn, ob er die Bilder inzwischen verstehen könne, und er sagt, dass ihm das nicht auf Anhieb gelänge, aber er habe andere Wege gefunden, mit den Wesen zu kommunizieren. Ich hebe fragend die Brauen. »Reden mit denen«, sagt er lachend. Das sei was ganz Einfaches.

»Ich hatte neulich ein Erlebnis, da bin ich durch den Wald gelaufen und habe die Präsenz von einem kleinen Wichtel gespürt. Ich habe ihn dann auch tatsächlich gesehen. Er hat sich mir gezeigt, so wie aus einem Bilderbuch. Ich dachte mir, das ist so klischeehaft, das kann nicht sein, das ignoriere ich jetzt einfach.«

Der Wichtel habe einen goldenen Zylinder aufgehabt, eine kleine goldene Weste getragen, Höschen, Bart, »so groß ungefähr« – André spannt Zeige nger und Daumen auseinander – »und er hat meine Aufmerksamkeit gewollt, nichts gesagt, aber ständig gewunken, mit kleinen Steinchen nach mir geworfen.« Und da dachte sich André: Vielleicht will der mir einen Schatz zeigen, das möchte ich jetzt mal nicht ausschließen, wenn er schon so golden aussieht. »Ich bin ihm also immer weiter gefolgt in den Wald, durchs Dickicht.« Und irgendwo zwischen dicht gewachsenen Fichten zeigte der Wichtel dann auf den Boden und war – schwupps – verschwunden. Doch dort, wo der Wichtel hingezeigt hatte, dort fand André – nein, keinen Schatz. Stattdessen einen großen Fallschirm und unten drunter eine blinkende kleine Radiosonde. »Das war ein Wetterballon, eine Wettersonde, die da im Wald mit ihren Strahlungen anscheinend total gestört hat, was auch immer!« So sei er halt als Müllmann benutzt worden. Tja. André kichert.

Ich hänge derweil an seinen Lippen. Wichtel mit goldenem Hut, Zwerge, Geister. Na, so was! Andererseits, überlege ich, in Irland würde das die Leute wohl nicht so sehr in Erstaunen versetzen wie mich gerade. André erklärt mir, dass es überall auf der Welt Wälder oder Gärten gibt, wo solche Wesen leben. Menschen halten sich dort instinktiv sehr gern auf, meist unter alten, riesigen Bäumen. »Die Leute spüren das. Jeder spürt das.« Die extreme Stille im Schwarzwald sei dafür zum Beispiel bestens geeignet. Dort könnten sich die Sinne mit Leichtigkeit öffnen. Für André zumindest kein Problem. Dass er jedoch so mit der Natur mitschwingen kann, heute sogar in ihr lebt, agiert und lehrt, bis dahin war es ein weiter Weg gewesen. Ein Prozess der Loslösung von alten Mustern, Ängsten und Vorstellungen. Angefangen hat alles ganz anders:

»Nach dem Abitur dachte ich: Was mache ich? Ich konnte gut zeichnen. Also habe ich ein Studium als Grafikdesigner gemacht. In Düsseldorf. Habe ein Stadt- und Partyleben geführt, in irgendwelchen Läden gejobbt und Grafikarbeiten für Fashionlabels gemacht.« Leider jedoch hing ihm dieses Leben bald zum Hals raus, und jedes Mal, wenn er zu irgendwelchen Aufträgen gehen musste, bekam er Bauchschmerzen, dachte: »Ich will das nicht, ich find das so Scheiße.« Da war er Ende zwanzig. »Aber was wolltest du denn?«, frage ich. Einfache Antwort: »In den Wald gehen.« Er habe eine unglaubliche Sehnsucht nach Natur verspürt. Und so beschloss er, Nägel mit Köpfen zu machen, sein Leben zu leben und tatsächlich für ein Jahr in den Wald zu gehen. Aber so richtig. Allein und mit gar nix. »Du hattest gar nichts?« »Doch. Ein Messer.« »Ein Messer.« »Einen Schlafsack. Und eine Plane.«

Als er sich entschieden hatte, dauerte es noch sechs Monate bis zur Umsetzung seines Vorhabens. Die härtesten sechs Monate seines Lebens. Er durchlitt viele Ängste, schließlich gab er ja sein komplettes bisheriges Leben auf. Alles, was er sich bis dahin aufgebaut hatte. »Wie soll ich mich jetzt ernähren, kann ich das überhaupt?« Existenzängste pur seien das gewesen. Auch: »Was werden meine Eltern sagen?« »›Was macht Ihr Sohn?‹ – ›Ja, der ist im Wald‹«, scherze ich. »Genau.« André sagt, seine Eltern hätten ihn dann aber in seiner Entscheidung sogar unterstützt. Und so gab es schließlich kein Zurück mehr. Bewaffnet mit Messer und Schlafsack, aber nicht einem Zündholz, ging es los. Nach Norditalien. Zeitweise bei einer Wintertemperatur von minus acht Grad. Unterschlupf bot eine offene, brüchige Holzhütte oder besser: ein Bretterverschlag. Wildromantisch hatte André sich das vorgestellt. Aber von wegen. »Die zehn Monate waren nur wild, ohne Romantik.« Und er sei in den ersten drei, vier Monaten immer wieder drauf und dran gewesen, alles abzubrechen. Erst nach dieser Fluchtphase sei das Gefühl gekommen:

»Der Wald ist mein Zuhause. Mein einzig richtiges Zuhause.«

Die ersten Strapazen waren überwunden, und er begann, sich in der Natur zu arrangieren. Tägliche Mahlzeit: Beeren und Kräuter. »Das hat gereicht?«, frage ich ungläubig. »Na ja«, sagt André, »Wildgemüse hat sehr viel mehr Inhaltsstoffe als unser Zuchtgemüse.« Da reiche eigentlich schon ein kleines Häufchen, zum Beispiel Spinat mit seinen vielen Nährstoffen, und der Körper sei befriedigt. »Aber klar, ich bin natürlich total dünn geworden. Und außerdem«, gibt er zu, »manchmal bin ich Nudeln kaufen gegangen.« »Du hast Nudeln gekauft? Du warst in der Zivilisation?« Ich bin empört. »Ja, ich bin ab und zu ins Dorf gegangen.« »Und die Leute haben sicher getuschelt …« »Jaja genau: ›Das ist der, der so nach Rauch stinkt. Jetzt will der wieder Nudeln haben.‹« Er sei da wie Catweazle rumgelaufen, sagt er.

»Hast du auch Tiere gejagt?«, frage ich. »Ja. Versucht.« André lacht. »Hat nicht geklappt?« »Ähm …«, einen Hasen habe er mal versucht zu jagen. »Mit einem Wurfstock.« Ich blicke ihn verwundert an. »Mit einem Wurfstock kann man einen Hasen töten?« »Ja, wenn du ihn richtig triffst … mit richtig Karacho.« Man müsse lernen, sich entsprechend anzupirschen. »Das heißt, wenn du ganz ruhig und eins bist mit deiner Umgebung, also innerlich wie äußerlich, dann wird es dich nicht wahrnehmen, dann kannst du sehr nah rankommen.« Aber das Tier gucke einen dann eben auch an, sagt André. »Du hast dieses Gefühl von Einssein und denkst: Bruder!« Wie blöd. »Heißt, du hast nichts erlegt?!« »Äh, nein!« André kichert wieder. »Ich habe nur eine Maus gefangen. Die wollte ich nicht essen. So viel Hunger hatte ich dann auch wieder nicht.«

»Und was war mit den Geistern? Und den Wichteln?« Das will ich schon die ganze Zeit wissen. »Waren die auch da?« »Ja.« André nickt. »Ich hatte einen Platz, wo ich immer gesessen bin, jeden Tag. Um zu meditieren, wahrzunehmen, einfach mal rumzulungern. Und an diesem Platz habe ich ein paarmal wunderschöne Gesänge gehört. Von einem Mann. Es waren keine richtigen Melodien, es war so ein Singsang, aber wunderschön.« Er sah niemanden, hatte aber das starke, beruhigende Gefühl: Wir sind nicht allein, und wir werden auch immer irgendwo gehalten. »Wie schön!«, sage ich. »Ja«, erwidert André, überhaupt, alles in allem sei die Zeit im Wald eine sehr schöne Zeit gewesen, auch, wenn er an seine Grenzen gekommen sei. Nicht nur physisch, auch emotional:

»Ich bin fast immer morgens aufgewacht und war entweder unglaublich wütend oder unglaublich glücklich, und abends war’s dann genau umgekehrt.«

Jeder Tag ein Karussell von Gefühlen, die ungeahnt nach oben drangen. Viele Altlasten konnte er in dieser Zeit auflösen und dabei seinen eigenen Weg noch besser erkennen. Und vor allen Dingen hat er ganz viel Selbstbewusstsein dabei gewonnen. »Sagen zu können: Egal, was passiert, ich kann mich ernähren. Ich kann überleben. Ich kann mich wohl fühlen in der Natur. Das …«, sagt André, »… ist toll.« Und was er auch gelernt hat: Dankbarkeit. »Dankbarkeit für das, was da ist.«

Ich sage, in seinen E-Mails habe er erwähnt, dass er gerade im Glück schwelge. André grinst. Ja, weil er verliebt sei. »Ah … das Liebesglück!« Ich frage ihn, ob er seine Liebe im Wald gefunden habe. »Nein! Im Internet. Auch unromantisch.« Und damit hatte er keineswegs gerechnet. Damit rechne man einfach nicht. Keiner. Vor allem nicht auf der Seite, auf der er gewesen sei. »Wir haben ziemlich lang E-Mails hin und her geschrieben. Fanden uns sehr sympathisch und haben uns dann getroffen.« Es war Liebe auf den ersten Blick. »Ganz frisch also?«, frage ich. »Ja, wir sind im dritten Monat.« André überdenkt seinen Satz: »Wir sind im dritten Monat!!!!??? Uahhh.« »Irgendwann«, scherze ich, »liegt ein kleiner Zwerg zwischen euch im Bett.« »Genau. Wichtelkinder. Wechselbälger.« Wir lachen.

»Die Liebe steht über allem!«

Sagt André. Wow. Was ein Moment, was ein Satz. Und wo wir schon mal bei den besonderen Ereignissen sind, frage ich André, ob er sich an einen besonderen Glücksmoment erinnern könne. Da gäbe es einige, erwidert er. Den letzten großen Moment habe er bei seiner letzten Visionssuche erlebt. Er sei dafür in den Bergen gewesen und habe zwei beeindruckende Naturspektakel erlebt:

»Es hat nicht aufgehört zu regnen, es war eiskalt, Scheißwetter, und mir war total schlecht. Es war Horror, die Hölle. Aber an einem Morgen hatte ich einen Sonnenuntergang, in einer Art und Weise als würde sich das Himmelreich Gottes öffnen. Es gab Wind und der hat einen richtigen Tunnel geformt aus Wolken, dahinter diese knallorangene Sonne vor einem Berg. Um diesen Wolkentunnel hat sich alles ganz schnell gedreht und dahinter wuchs eine schwarze Wolkenfront auf.«

Das, sagt André sei ein erhebender Moment gewesen, »ein Moment, wo ich einfach nur vor Demut dasaß und geheult habe, weil es so schön ist.«

Für André ist das Leben ein Geschenk, keine Selbstverständlichkeit, das sei es, was er in der Natur gelernt habe. Besonders in den Momenten der Visionssuche. »Und darum will ich auch alles daran setzen, mein Leben wirklich zu leben, und ich hoffe, dass ich das noch lange so kann.«

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The same story in Chinese:

【幸福,就是和小矮人一起散步】

       仿佛刚刚把地球挖掘了一遍,安德烈身穿破旧衣服,头戴帽子,背着军用双肩包,已经在马路对面等我了。他有一双温柔的大眼睛,英俊的脸庞始终挂着笑容。半个德国人,半个西西里人。我真该把他约在早上。可是安德烈,他已经站在那里了:萨满师、自由艺术家、心理顾问、管理员、草药行家、野外生存向导……还有……我忘记了什么吗?哦,对了!通灵者!他的萨满教论坛主页上就是这么写的:通灵之家。

       曼娜咖啡厅早已人满为患。我们在最后一张桌子旁坐下来,点了喝的。安德烈笑着他一直在笑,或者说我们两个一直都在笑。

        “萨满师做什么呢?”我问道。

       “和灵异世界建立联系”。

       咖啡端了上来,安德烈呷了一口继续道:作为萨满师,我会注视着对方,看对方表现出来的不安的灵魂,然后看着不安的灵魂又慢慢恢复宁静。

        “所以我们要走进大自然,看看到底谁在和我们对话,到底什么因素在起作用。”就这样,安德烈一步一步接近了我们的核心话题。或者如他自己所言,“走进了各自的灵魂”。

        安德烈一开始研究印第安人的萨满教,是想寻求一种自我保护,而不是自我治疗。但说到底,他原来就和灵异世界一直有着来往。

       “灵异世界?”我刚才疑窦丛生,现在终于忍不住了,“什么意思?”

        “就是自然界里的精灵啊”,安德烈回答说,“是森林中振翅飞翔的发光的生灵,也许就是真的精灵呢。就是我们偶尔想象中的精灵。”

         我往前凑了凑,“精灵,真的精灵?”这我可是愿闻其详。“它们长得什么样?”

        “嗯,短短的、很特别的东西”。就是这样咯。它们没有恶意,不像电影里那些令人毛骨悚然的妖魔鬼怪,不是的。但是它们出现的时候四周冰冷。而且大多时候它们想用图形展示什么。“怎么说呢,我还是没有弄明白它们到底什么意思,它们看起来阴森森的。”

       我很惊奇。

       安德烈说,他大概八岁时第一次见过这样的东西,但是到了十二三岁,他就开始保护自己了。后来到了青春期更是喜欢一醉方休,管它呢。很显然他是因为害怕,害怕被人误解,害怕无法正确表达自己的所见所闻。

       “我似乎与所谓的普通生活毫无瓜葛。”

       那时候他孤零零地一个人,青春期过后他才又开始和精灵接触,这回是小心翼翼地按照自己的尺度行事,他说,他希望能控制局面。

        “行吗?”我问道。

        “行”,安德烈认为他学会了在他自己选择的时间内打开灵异的能量去感知,这种能量只有在他需要的时候才会出现,安德烈解释道,“也就是说,当我漫步森林,敞开心扉时,我就会看见许多东西,听见林中簌簌作响,我有时会浑身发冷。”

       我问他,期间他是否弄明白了那些图形的意义。安德烈解释说,这可不是一蹴而就的事情,但他学会了用其他方式和这些生灵进行沟通。我疑惑地挑了挑眉毛。

       “和它们说话呀,这还不简单!”他大笑起来。     

        “不久前我经历过这样一件事:我在林中散步,感觉到里面有个小矮人。而我也真真切切看见了他,就像图画书上画的一样。我想,也许都是偏见吧,我可不想被书本的偏见所束缚了。”

      小矮人头戴金色大礼帽,身穿金色背心,裤子、胡子都清晰可见。“大概这么大”,安德烈张开拇指和食指,“它看着我,一言不发,但却一直冲我招手,还朝我扔着小石子。”

       安德烈心想,也许小矮人会向我展示什么宝物呢,这个机会我可不能错过,而且它自己看上去又那么金光闪闪的。“于是,我穿过灌木丛,紧紧地跟着它。”

        在一片茂密的云杉树林里,小矮人指了指一处地面,倏忽间消失了。可是,在小矮人消失的地方安德烈并没有发现什么宝物,却看到了一副降落伞,下面有个无线电探测仪,一闪一闪发着光。

      “原来是个气象气球,也就是一个气象探测仪,大概是由于不能发射信号而在森林里被弃之不顾了。”看看,我倒像个拾荒者了,安德烈咯咯地笑了起来。

        我此刻盯着他的双唇。戴着帽子的小矮人,精灵……嗯,真没想到!

        安德烈说,世界上到处都有森林、花园,那里面都会住着这样的生灵。人们特别喜欢驻足树下,尤其是古树下。“你可以感受到,每个人都能。”比如在我们非常寂静的黑森林,安德烈继续说道,在里面感受这些生灵是再也适合不过了。至少对他自己不成问题。

       摈弃过去的围墙、恐惧和观念,到如今与大自然融为一体,安德烈走了很长的路,而这条路开始与现在迥然不同。

        高中毕业后我就想:我该干点什么呢?绘画我在行,于是我在杜塞尔多夫上大学时就选择了版画设计专业。我过上了城里的日子,歌舞升平。我也在一些商店里干过,为时尚品牌做过设计。”

         可是不久他就厌倦了这样的生活,不仅如此,每当他要去完成一项订单时都会胃疼,于是他想:“这可不是我想要的生活,糟透了!”那时候他还不到三十岁。

       “可你到底想干什么呢?”我问他。

       回答很简单:“到森林里去!”

        他对大自然一片痴情。于是一不做二不休,毅然决然地要过自己想要的生活,真真正正地到森林里过上一年。就这么定了,一个人,什么都不带。

       “你当时什么都没有带吗?”

       “不,带了一把刀。”

       “一把刀。”

        “一只睡袋,还有一块防雨布。”

         从安德烈下定决心到最后实施,又过去了六个月,他一生中最艰难的六个月。克服了种种恐惧,最后他放弃了以前熟悉的生活,放弃了到此为止他所构建的一切。“我现在如何养活自己呢?我能做到吗?”现在,生存问题是他唯一的恐惧。还有,“父母会怎么说?”

        “您儿子做什么工作。”“他呀,住在林子里……”我揶揄道。

      “没错,就是这样!”安德烈说,不过父母居然支持了他的决定。

        没有退路了。带上刀、睡袋,连火柴都没拿,他就上路了。朝着意大利北部,冒着零下八度的严寒。栖息地是个四面透风摇摇欲坠的小木屋,后来稍好点,住上了用木板隔开的房间。安德烈最初设想的是梦幻般的浪漫。可是根本没有。

       “头十个月只有噩梦,没有浪漫。”前三四个月他都差一点放弃了,过了这段逃亡式的阶段后他才慢慢有了感觉:“森林就是我的家,我唯一合适的家。”克服了最初的困难,他开始在森林里筹划开了。每天的食谱就是浆果和草药。

         “就这些?够吗?”我简直不敢相信。

       “咋说呢?”安德烈应声回答。野菜比我们种植的蔬菜含有更多的营养成分,所以一小堆也就够了,比如吃上一把营养丰富的菠菜,就能满足身体的基本需求了。“当然,我完全瘦了下来。此外”,他承认,“我也出去买过面条”。

        “你买过面条?你回归过文明?”我有些恼怒。

         “是啊,我偶尔进过村子。”

       “村民们想必窃窃私语了吧?”

       “对对对。这个不食人间烟火的家伙,现在想吃面条了!”安德烈说,他如同一只夹着尾巴的猫,逃之夭夭了。

       “你也打过猎吗?”

       “尝试过。”安德烈笑了起来。

        “没打着吗?”

        “没有。”

        “有一回我试图用标枪捕获一只野兔”,他说。

        我疑惑地盯着他道:“用标枪可以杀死野兔吗?”

        “可以啊,如果你瞄得足够准,跑得足够快。”你要学会蹑手蹑脚地接近动物,“也就是说,你要安安静静的,要和周围环境融为一体,身心都要做到,这样兔子就感觉不到你了,你就可以靠上去了。”可是野兔也会盯着你看,安德烈说。“你要心无旁骛,并在心里默念:兄弟。”

       无聊!

        “也就是说,你一无所获咯?”

        “哈哈,是啊。”安德烈再次咯咯笑了起来。“我抓到过一只老鼠,不过我没吃,我当时也没那么饿。”

       “精灵是咋回事?还有小矮人?”我一直想问个究竟,“当时小矮人们也在吗?”

       “在”,安德烈点了点头,“林子里有块小空地,那时候我天天坐在那里。我在那里冥想,感知,其实就是游荡。我听到过好多次优美的歌声,是个男人唱的。虽说不是真正意义上的旋律,但歌声很好听。”他虽然没有看见什么人,可他坚信:我们并不孤独,我们应该随时驻足倾听。

       “真棒啊!”我说。

       “没错”!安德烈接着说,森林里的日子虽然达到了他的极限,但仍然是美好的。不仅是体力上的,也是情感上的,“我几乎总是一大早就醒来,要么生气,要么高兴,而到了晚上刚好相反。”在这期间,他的许多历史遗留问题得到了解决,从而也更加认清了自己的道路,尤其是他获得了很多自信。“现在我可以说:无论如何我都能养活自己,可以生存下去,在大自然里我感觉心情舒畅。太棒了!”安德烈总结道。

        他还学会了感激,感谢一切的存在。

       我问他,在邮件里他说正沉醉在幸福中。

      安德烈笑着说,是啊,因为在恋爱。

        “啊,原来是爱情的幸福。”我问他是否在森林里找到的爱情。

        “不是啦,是在网上。”这可是出乎他的意料。谁都没料到,没人。“我俩你来我往地写了好多封邮件,感觉不错,后来就见面了。”一见钟情。

        “才开始吧?”我问他。

        “是啊,刚刚第三个月。”安德烈回想着刚才的话,“我们才三个月啊???!!!啊……”

         “不知道什么时候,你们俩的床上就会躺着个小矮人啦。”

      “就是!一个小矮人,一个怪婴。”

        我们哈哈大笑。

        既然我们在谈论不同寻常的事情,我就问安德烈,他是否能回忆起一个不同寻常的幸福时刻。

        还真有几次幸福时刻,最后一次是在山上寻找幻象,经历了两回大自然的变幻奇景。

        “那些天一直下着雨,好冷,讨厌的天气。我很不爽。可怕,地狱。但是有一天晚上我看见了日落,好像上帝打开了天空之门,风也刮起来了,云朵形成了一条真正的隧道,隧道后面是一轮橘红色的太阳,隧道里的一切都在快速旋转着,最后生成了黑色的云峰。”

       “这是一个庄严的时刻”,安德烈说道,“我只感觉到了谦卑,我嚎啕大哭。简直太美了!”

       对于安德烈来说,生活是一种馈赠,而不是理所应当。这一感悟得自于大自然,尤其是在他寻找幻象的时候。“我想过我自己的生活,我也希望这样的日子能够长久。”

王波