Anna, 25 Jahre, Domina

Vom Glück der Windstärke elf

Sie ist 25 Jahre alt und …. ja was? Wie beginnt man eine solche Geschichte? Ich bin etwas ratlos. Eine solche Menge an Erzähltem, eine solche Menge an Erlebtem. „Viel zu viel“, murmle ich unablässig vor mich hin und dann beginne ich einfach, einfach mal von Anfang an. Vielleicht so:

Mit sechzehn Jahren lief Anna von zu Hause weg, eine heimliche, jedoch von langer Hand geplante Flucht. Grund? „Das Obligatorische“, sagt Anna ziemlich trocken. „Vater nicht nett, Mutter überfordert.“ Ich allein kann mir denken, was sie damit meint, welch Drama dahinter steckt, ausführen möchte sie es nicht. Später erfahre ich, dass sie Borderlinerin ist. Eine Krankheit, die durch Impulsivität und Instabilität in Bezug auf zwischenmenschliche Beziehungen, Stimmung und Selbstbild gekennzeichnet ist. Oftmals einhergehend mit Depression und Hyperaktivität. Ob ihr das schon zu Schulzeiten klar war, weiß ich ebenfalls nicht, dass sie sich die Arme ritzte, das schon.

Mit nichts weiter als einem Hauptschulabschluss in der Tasche und einem zur Hälfte kahl rasierten Schädel kam sie damals jedenfalls in Köln in einem Schwesternwohnheim unter und begann in der Paläativen Onkologie, dem Ort der unheilbar Kranken und Sterbenden, eine Ausbildung zur Krankenschwester. „Das ist der Knaller gewesen“, sagt sie. „In den ersten zwei Tagen drei Tote, an Weihnachten sieben Tote.“ Sie fand das damals „freakig“, aber vor allen Dingen schockierend. „Wie kann man junge Menschen so Knall auf Fall da rein schmeißen?“ Anna schüttelt den Kopf.

Die Zeit im Schwesternwohnheim lief also nicht gut. Anna fühlte sich einsam. Vor allen Dingen nachts. Das Zimmer war so weiß, das Krankenhaus war so weiß. Es trieb sie nach draußen in die Stadt. Auf die „Domplatte“. Dort, wo andere gestrandete Seelen wie sie, die mit ihrem Leben nicht klar kamen, sich zusammenfanden. Punks, Gruftis, Obdachlose. Eine große Clique, die zusammen soff, Drogen nahm, redete und ein wenig menschliche Wärme suchte. Anna nahm keine Drogen, sie trank auch nicht. Nicht viel, sagt sie. Sie wollte einfach nur Menschen um sich haben, Menschen, die sich nicht an ihrem Leid stießen. Sie gehörte damals der Gothic-Szene an: schwarze Kleidung, weißes Gesicht, Dark-Wave-Musik, das Leben ein Martyrium. Doch auch die Domplatte bot ihr keine Geborgenheit, das merkte sie spätestens als sie sich in einen hübschen Junkie verliebt hatte, der sie zu einer Party zu sich nach Hause einlud. Jedoch: Party? „In seiner Wohnung war ein Käfig, ein ganz normaler kleiner Käfig“, erzählt Anna entsetzt, „da haben fünfzig, sechzig Ratten drin gewohnt. Kannst dir ja vorstellen. Vermehren sich und fressen sich, vermehren sich und fressen sich. Die müssen ja irgendwas essen. Und dann gab es da auch noch Schlangen und riesige Spinnen. Und die krabbelten über die schlafenden Leute drüber. Die Leute waren auf Heroin und haben nichts mehr mitgekriegt.“

Diese Szenerie habe sie relativ schnell in die Realität zurückgeholt. Doch wo sollte sie hin? Wo gehörte sie hin? Und vor allem: Wo würden die quälenden Erinnerungen an ihren Vater sie nicht mehr verfolgen? In einem Chat machte Anna sich eines Tages Luft. Sie gestand einer Frau im Internet ihre Verzweiflung und verkündete, dass sie nicht mehr weiter könne. Danach verließ sie das Zimmer und ging tanzen. Die Frau aber bekam es mit der Angst, glaubte, Anna würde sich nun umbringen und alarmierte die Polizei, die sofort anrückte. Leiterwagen, Hundestaffel, das ganze Programm. Als Anna von dem Einsatz erfuhr, eilte sie zu ihrer Wohnung. Längst hatte die Polizei herausgefunden, welches ihr Zimmer war. Das war einfach: es gab nur ein Zimmer mit einem Skelett und haufenweise Knochen drin. Anna schämte sich sehr. Auch für den präparierten Kieferknochen, in dem zwei Blutampullen steckten. Drumherum ein Kranz von Kerzen. Sie erklärte der Polizei, dass die Knochen von einem ausgehobenen Grab vom Friedhof stammten und dass sie sich durchaus nicht umbringen wolle. „Die Polizisten haben mich natürlich für völlig bescheuert gehalten. Aber dann haben sie gesagt: „Ist schon gut, so bekloppt sind Sie ja gar nicht.“ Wir lachen. Aber lustig war das durchaus nicht. Damals. Denn am nächsten Tag begannen die Gerüchte hochzukochen. Anna ermordet, Anna eine Mörderin, Anna eine Selbstmörderin auf dem Hausdach. Und so weiter. „Und das habe ich dann wirklich nicht mehr ausgehalten“ sagt Anna. Sie rief ihre Mutter an. Die sagte:

„Kind, geh in die Psychatrie!“

Und das tat Anna. Sie wies sich am nächsten Tag selbst ein. Stationäre geschlossene Psychiatrie, psychosomatische Trauma-Klinik. Das sie das gemacht habe, sagt Anna, sei das größte Glück ihres Lebens gewesen, die Tatsache, dass sie Hilfe angenommen habe. Gut, in den ersten Tagen habe man sie mit Psychopharmaka schachmatt gesetzt und sie sei wie ein Zombie durch die Landschaft gelaufen. Das war weniger angenehm „Zum Beispiel eine Zigarette anzünden unter diesen Tabletten war ein Akt, der echt Kraft gekostet hat.“ Aber all die Therapien, die sie in Folge durchschritt, vor allen Dingen die Übungen in Achtsamkeit, haben ihr sehr gut getan. Zwei Jahre lang blieb sie dort. Man kann fast sagen: Es war der erste Ort, an dem sie so etwas wie Geborgenheit empfinden konnte. Endlich durfte sie sein, wer sie ist, endlich hörte ihr jemand zu. Anna lernte viel, vor allem lernte sie ihre Krankheit anzunehmen, zu akzeptieren und damit umzugehen. Auch die schlimmen „flashbacks“ im Zusammenhang mit ihrem Vater, diese fiesen einzelnen kleinen Momente der Erinnerung, sagt sie, wurden weniger und verschwanden allmählich in der Vergangenheit. Alles wurde besser, aber nicht gut: Denn am Ende wurde sie einfach als nicht heilbar entlassen. Krankheitsbilder ohne Zukunft. „Ich habe Diagnosen, die sind der helle Wahnsinn“, empört sich Anna. „Ich habe zum Beispiel einen Heroinabusus, aber ich habe noch nie in meinem Leben Heroin genommen. Ich habe Bulimie, ich kann aber gar nicht brechen.“ Und warum? „Weil irgendwelche Ärzte glaubten, dass ich nicht die Wahrheit gesagt habe. Sie schrieben dann einfach irgendwas rein.“ Und was von all den Diagnosen entspricht der Wahrheit? Frage ich. „Borderline, depressive Episoden und posttraumatische Belastungsstörung.“ Das sei schon wahr“, gibt Anna zu. Das sei auch der Grund, warum sie schon jetzt in ihren jungen Jahren Rente bekommen würde. Rente mit 25 Jahren? Ich staune. „Ja, ganz schön desillusionierend“, findet auch Anna. „Vor allem kann man doch nicht bei einem, der 21 ist, so etwas vorwegnehmen. Ich bin jetzt 25 und ein völlig anderer Mensch, der ich noch mit 17 war. Die ganzen Erfahrungen und die Menschen, die mich inzwischen geprägt haben, die sind doch auch da.“ Früher habe sie sich die Arme geritzt, wenn es ihr schlecht ging, heute höre sie sich in einer solchen Situation klassische Musik an. Manchmal könne sie halt besser damit umgehen, manchmal weniger. Das manchmal Ja werde immer häufiger. Früher sei bereits ein Einkauf eine tagesfüllende Aufgabe gewesen, weil sie so viel gehabt Angst hatte. Heute hätte sie sich weitestgehend stabilisiert und würde es schaffen, mindestens die Hälfte aller Termine in der Woche wahrzunehmen. Sogar heiraten würde sie bald. Einen Mann, mit dem sie schon seit fünf Jahren zusammen lebe. Bei ihrer Diagnose eigentlich unmöglich. Sie sei psychisch krank, ja, aber sie schäme sich nicht dafür, schließlich schäme sie sich ja auch nicht für einen gebrochenen Fuß, wenn sie denn einen hätte. Nur die Stigmatisierung ärgert sie. Die Annahme, es gäbe keine Entwicklungen.

Der erste Schritt in die wieder gewonnene Selbständigkeit damals begann mit einem Hund aus dem Tierheim. Zunächst führte sie den Hund nur ehrenamtlich aus. Später adoptierte sie ihn. Und das war ein wirklich großer Schritt, denn nun musste sie nicht nur Verantwortung für ein fremdes Wesen übernehmen, sie musste sich auch an eine Tagesstruktur halten. Der Hund war auch eine verletzte Seele. Beide richteten sich aneinander auf. Sie lernte von ihm die Ruhe, er von ihr das Vertrauen. Außerdem, sagt Anna, habe sie schnell gemerkt, dass ein Hund ähnlich wie sie auf die Gegenwart bauen muss, um sich von der Vergangenheit zu lösen. Das gab ihr den Anstoß, nochmal ganz von vorne anzufangen. Sie und der Hund namens Jean Baptiste Grenouille. Und nahm ganz nebenbei dabei ziemlich schnell 65 Kilo ab. „Hammer, ne?!“, sagt sie und lacht. Dann habe sie einen Job gesucht, den man zuhause machen kann. „So bin ich bei der Telefonsexline gelandet. Das war lustig. Man sagt wie unglaublich erotisch man gerade aussieht, guckt an sich runter, die Jogginghose an und spielt dabei Playstation.“

Irgendwann jedoch habe sie in dieser Zeit gemerkt, dass dieses NORMAL nicht so ganz ihr Ding ist, ganz einfach zu begrenzt. „Das Spiel mit Dominanz und Unterwerfung hat mich viel mehr gereizt. Es macht ein Riesenspielraum und man kann unglaublich kreativ sein.“ Und so nahm sie bald nur noch diejenigen Anrufe entgegen, in denen Sadomaso erwünscht war. Das Ganze lief zwei Jahre und Anna war stolz, es durchgehalten zu haben. Doch dann ging dem Telefonsexgeschäft die Puste aus. Überall. Es gäbe zwar noch lauter Lines, sagt sie, aber die Frauen würden sich dort nächtelang die Zeit um die Ohren schlagen. Auch in den Bordellen sei das so und auch in anderen Ländern. Der Markt ist eingebrochen. Warum? Möchte ich wissen. „Die Weltwirtschaftskrise“, sagt Anna, „die Preise sind zu hoch und der Straßenstrich mit billigen Preisen boomt.“ Aber Anna blieb trotzdem am Ball, also in der Sexbranche. Sie hat ihre Nische im SM-Bereich entdeckt und erweitert und wurde Domina, richtige Domina in einem richtigen Studio. Mit richtig Spaß. Und Schuhen mit 14 Zentimeter Absatz. Anna sagt: „Ich kann mich in eine Persona no Grata verwandeln und alleine über Raum und Zeit eines Menschen bestimmen. Was er sieht, hört, riecht und vor allem fühlt. Ich spiele ein Spiel, dass immer anderes ist, wie jeder Mensch, der zu mir kommt. Ich bin für viele eine Göttin und Hure in einer Person. Dieses Gefühl beflügelt mich sehr oft und gibt mir eine Menge Selbstbewusstsein.“ Auch Glück. Aber auch klar: Anna kann die Arbeit im Studio gelassen sehen, denn sie muss nicht davon leben. Nur drei, vier Mal im Monat geht sie ran. Den Rest der Zeit sitzt sie am Tresen und begrüßt die Gäste. Für Frauen aber, die davon leben müssten, sei das eine ganz andere Nummer. „Glücklich sind da wenige.“ Sie hätten keine Pause und könnten sich kaum ihr Klientel kaum aussuchen. „Ich aber krieg vor allem die Professoren. Ich habe zwei Professoren, einen Doktor, einen Vorstandschef, halt solche. Viele Ältere. Ein ganz spezielles Klientel, das mich manchmal überfordert. Aber macht nichts. Ich sehe super souverän aus. Das sagen mir immer alle.“ In der SM-Szene seien die Mädchen untereinander kollegial, sagt Anna, anders als in der übrigen Erotikbranche. Das läge wohl daran, dass alle eine verpfuschte Kindheit mit Misshandlungserfahrungen hätten und dort ein Ventil fänden. „Das verbindet.“ Für mich hört sich das ja alles viel zu rosig an und ich sage: „Du musst doch aber auch mal Kunden haben, die dir zuwider sind.“ Zumindest das. Aber Anna widerspricht mir. Das sei nur am Anfang so gewesen. Allerdings sei das dann auch nicht schlimmer denn als Krankenschwester zu arbeiten. „Ob ich Kotze wegwische, blutverschmierte Laken wechsle oder ob ich da einen habe, der mich die ganze Zeit komisch anguckt….“ Anna zuckt mit den Schultern….

„Der kann ja nichts machen, weil ich fessle ihn ja, und zur Not hole ich ihm am Ende einen runter… aber ich habe Handschuhe an…und das ist nicht ansatzweise so eklig und so dreist wie im Krankenhaus.“

Es ist nichts als ein Job und also solcher weitaus lukrativer denn als Krankenschwester. Aber ein Spaziergang ist es natürlich auch nicht. „Es ist harte Arbeit. Mit Lust hat das nichts zu tun.“ Anna sagt, sie würde niemals in der normalen Prostitution arbeiten wollen. Das wäre dann tatsächlich eine Übertretung ihrer Grenzen.

Für viele gilt sie mit ihrem Beruf als Exot, manche seien neugierig, andere würden sie schneiden. Ihr Freund aber kann damit gut leben. Nur ihre Mutter möchte davon keine Details hören.
Ich frage Anna, ob ihre Mutter sich schuldig fühle. „Ja“, bestätigt Anna. In ihrer Pubertät habe Anna ihr die Wahrheit an den Kopf geknallt. „Hättest du nicht immer weggeguckt“, hat sie ihr gesagt, „wäre mein Leben bestimmt anders verlaufen!“ Damals ist ihre Mutter daraufhin ausgerastet, heute pflegt sie eine Borderline-Community, um anderen Müttern Kraft zu geben. Einen anderen Mann hat sie auch. Die Dinge sind in Bewegung. Auch Anna sucht nach weiteren Wegen der Selbstverwirklichung. Sie macht gerade ihr Abitur, kämpft mit Latein und Rechtschreibung. Und sie hat ein Ziel: Sie will Astrophysikerin werden. Astrophysikerin? „Ja. Astrophysik fasziniert mich, weil es die Lehre von etwas ist, was ich niemals werde nachprüfen können. Es ist eine Wissenschaft, die im Grunde versucht Mysterien und Unglaubliches zu erklären, die definitiv größer sind als der menschliche Verstand. Ein ewiges Rätsel und ich liebe Rätsel.“

Ich frage sie, ob sie glücklich ist.
„Ja“, sagt sie. „Ich glaube, dass ich glücklich bin, weil ich ein selbstbestimmtes Leben führe.“ Allerdings, gibt sie zu, hat sie ein bisschen Angst davor, dass das Glück nur so eine Art Welle ist und irgendwann wieder verschwindet. „Ich glaube aber, man kann sich Glück bewahren. Der Astrophysiker und Philosoph Harald Lesch habe mal etwas Tolles gesagt: „Zum Optimismus gibt es keine Alternative!“ und den Satz hat Anna sich verinnerlicht. Grundsätzlich sei sie also ein positiv gestimmter Mensch. Das Negative, wenn es denn aber doch manchmal und immer noch über sie kommt, habe sie einfach kultiviert. „So ist es besser erträglich“, sagt sie. Also Glück…Glück gibt es viel, aber der schönste Moment, DER Moment ihres Lebens, in dem sie wirklich absolut glücklich gewesen se, DER Moment, in dem das Negative und Positive in gewissem Sinne verschmolzen seien, den Moment hat sie auf einem Kreuzfahrtschiff erlebt.

„Vor zwei Jahren hat mein Freund seine Lebensversicherung aufgelöst und mir eine Kreuzfahrt geschenkt. Auf der Aida Cara nach Norwegen, ein kleines Schiff, nur zwölf Decks. Und Windstärke elf. Das war traumhaft. Ich war selten so glücklich wie in diesen drei Tagen. Ich war völlig alleine. Man konnte nicht mehr laufen. Mit einem Tau habe ich meinen Stuhl und mich auf dem Balkon des neunten Decks ganz fest angebunden. Bis zum sechsten Deck gingen die Wellen. Manchmal war das so, dass das Schiff zur Hälfte weg war und die Wellen schon fast bis an meine Füße gekommen sind. Und ich habe nur aufs Meer rausgeguckt. Ich hatte keine Angst. Mir war auch nicht übel. Ich wusste auch, ich habe sowieso keinen Einfluss auf das, was passiert. Da war ich glücklich. Da war ich ganz ich selber und ganz bei mir.“

Wir sitzen vor der Kölner Philarmonie, zwei Stunden schon, und allmählich frieren wir beide. Ich beschließe jetzt einfach mal zum Schluss zu kommen, obgleich ich noch viele Fragen hätte. Nur eines will ich noch wissen:
„Wie soll ich dich im Buch nennen?“
Sie überlegt einen Moment.

„Nenn mich Anna, das fände ich schön!“

© Simone Harre/www.simone-harre.de/www.simoneharre-lifeline.de

siehe auch:

十一级风的幸福

25岁了。

等等,什么?如何开始讲这样一个故事?我有些茫然了。有那么多要讲的,有那么多要讲的。“太多太多了”,我不停嘴地兀自嘟嚷着。然后,索性就从开头,索性就从开头讲起吧。

故事大概是这样的:

安娜16岁 离家出走,虽说是偷偷的,却也经过了长期的计划。“原因?只是必需而已”,安娜有些干巴巴地说道,“爸爸对我不好,妈妈又要求过高。”她虽然不愿意详述, 但背后隐藏的故事我自己也完全可以想像得出。后来我才知道她患有人格障碍症,一种由于人际关系、情绪以及自身原因而产生的过激和不稳定性绪的一种疾病,并 会伴有抑郁和机能亢进。

求学 时她就了解这一情况吗?我不晓得。但是她割过腕,这我知道。她怀揣着最高毕业文凭——初中毕业证,剃了个半光头,住进科隆的护士宿舍,开始了肿瘤学护士的 培训,护理那些不可治愈以及频于死亡的人。“可真是的”,她说道,来的头两天就死了三个人,圣诞节又死了七个。”那时候她觉得“怪怪”的,但更多的是感到 恐怖。“都那么年轻,怎么说没突然就没了呢?”安娜摇头头。护士 宿舍里的日子并不好过,安娜倍感孤独,尤其是在夜里。宿舍一片白色,医院一片白色。她被推进了市里,推到了“教堂广场”。那些和她一样无法应对生活而灵魂 搁浅的人,在“教堂广场”汇聚一堂。朋客,成年人,流浪汉。这群人在一起酗酒,吸毒,聊天,寻找丝丝人世间的温暖。安娜并不吸毒,也不酗酒。“我要的不 多”,安娜说,她只希望身边有人不再触碰她的痛苦。那时候,安娜完全哥特式打扮:一袭黑衣,一张白脸,哥特式音乐,生活就是一种折磨。安娜爱上了一位俊朗 的瘾君子,直到此时她才发现,教堂广场并未给自己带来安全。瘾君子邀请安娜去他家参加舞会。“可是,这哪里是什么舞会呀?他家有个笼子,一个很普通的笼 子”,安娜余悸未消,“笼子里养了五六十只老鼠,你能想像到吧?老鼠们在里面繁殖,互相撕咬,它们也得吃东西啊!屋子里还有蛇和巨型蜘蛛,它们就在熟睡的 人们身上爬来爬去。他们都服用了海洛因,所以对此一无所知。”

这一 场景很快把她带回了现实当中,可她又能何去何从呢?尤其是:她走到哪里,那些对父亲痛苦的回忆才能不再追随着她呢?在网上闲聊时,安娜终于可以一吐为快 了。她对一位女士承认了她的绝望,并表示她再也撑不下去了,说着说着就离开宿舍,出门跳舞去了。女士很害怕安娜自杀,便报了警。警察瞬间到位。装有栅栏的 警车,一群群的警犬,一条龙服务啊!安娜闻听此信,赶紧往回赶。警察们不费吹灰之力就搞清楚了安娜的房间。很简单,因为只有一个房间里充斥着骷髅和成堆尸 骨。安娜感到十分惭愧。里面还有一块经过修补的颌骨,还藏着两个封闭的试管,四周围绕着一个蜡烛做的花环。她对警察解释道,骨骼来自于一处已经挖掘的高贵 的墓室,而她自己根本并未想到自杀。“警察们当然认为我是疯了,不过他们接着说:是啊,是啊,您可没那么愚蠢。”我们都笑了。可是事情并非那么好玩,第二 天流言就满天飞了:安娜杀人了,安娜是凶手,安娜要自杀了。不一而足。“我真是受够了。”安娜说道。她打电话给母亲。母亲说:“去看心理医生吧。”于是安 娜第二天就去了心理诊所,是一家可以住院的心理诊所,一家医治心理创伤的诊所。安娜说,她去了心理诊所并接受了帮助,这是她一生中最大的幸运。当然,头几 天她被精神病药物弄得筋疲力尽,仿佛一个夜游魂四处奔跑,真的不太舒服。所有这些治疗方法,尤其是对于“细心”的训练,让安娜受益匪浅。她在那里住了两 年,甚至可以这样说:心理诊所是第一个让她感到安全的地方。她终于可以成为自己了,也有人倾听了。安娜学会了很多,尤其学会了接受自己的病症,接受它,正 视它。此外,与父亲相关的“往事”点点滴滴也都大事化小,小事化了了。一切都在好转,但并未变好:她出院了,因为诊所认为她不可治愈,看不到康复的未来。

我的诊断真是极度底狂”,安娜说道,“他们说我滥用海洛因,可这辈子从未碰过那玩意儿。还说我食欲过剩,可我从未呕吐过啊。”为什么会这样呢?“因为有些医生认为我们没有说实话,所以他们就随便下了诊断。”

这些诊断有哪个符合事实呢?”我问。

我有人格障碍,抑郁,外伤恢复障碍症,这些都是真的”,安娜道。正是缘于此,她在年轻时就可获得养老金。“25岁获得养老金?”我很吃惊。“是啊,我觉得也是”,安娜接着说,“我现如今已经25岁了。从17岁 以后,我就完全变成了另外一个人。只是给我留下印象的人与事依旧还在。”之前她不舒服时候就用刀扎胳膊,而现在则是倾听古典音乐了。以前因为心怀恐惧,连 上街购物都已经是难以完成的任务,现如她今坚强了许多 ,至少可以完成每周设定的一半的任务。她甚至想不久就结婚,嫁给已经同居了五年的男友。可她的诊断不允许她结婚,她有心理疾病。不过她自己却不以为然。只 是大家都说她的病好不了,这个烙印让她很是气愤。重新 羸得独立的第一步,肇始于宠物店的一只狗。开始她只是义务带狗出门遛遛,后来她就把狗带回家里。她可真是迈出了一大步,因为她从此不仅要为一个陌生的狗负 责,而且要遵守一天的日程。这条狗也是一个受伤的灵魂。两者互相依偎互相扶持,她向它学会静处,它向她学会信任。此外,安娜说道,她马上也意识到为了摆脱 过去,应该慢慢构建现在。这就启发也她重新开始生活。她和这条叫“古安“的狗结成了统一战线。没过多久,安娜就迅速减掉了65公斤的体重。“咋样,不赖吧”?她笑道。她接着找到一份可以在家干的工作,“于是我就干起了打色情电话热线这一行。可真有趣,人们说着难以置信的情色故事,隔着裤子看着裤裆,再做着下流的动作”。

不知 什么时候她突然意识到,“正常”的生活并不是她想要的。“主宰与征服的游戏深深地吸引了我,这里空间巨大,可以及大地发挥我的创造性。”所以在后来她就只 接待那些希望性虐恋人的来电了。安娜就这样又坚持干了两年,她对此也十分自豪。但不久色情电话买卖就日薄西山了。“到处到是”,安娜说,“虽然也有很多热 线,但女人们要整夜地守着电话。妓院也是如此,别的国家也是如此。市场没了”。为什么呢?我问道。“世界经济危机”,安娜回答,“价码太高,而且街上拉客 的妓女也比比皆是。”

安娜依旧干着老本行,也就是性产业。她在性虐恋里发现了一片小天地,并扩大了自己的天地,在一个真正的演播室成为了一个真正的统治者。“我在那里拥有真正的乐趣,穿着14公 分的高跟鞋”。安娜说,“我可以随时转换角色,可以随意支配一个人的时空,包括他看到的,听到的,闻到的,当然主要是感觉到的。我玩的游戏永远不重样,就 像每一个光顾我的顾客都不同一样。对大多人来说,我既是天使又是婊子。这种感觉常常激励着我,让我建立了一些自信心。”还有幸福’’。当然了:安娜很淡定 地看待演播室的工作,因为她并不指望以此谋生,每个月她只进演播室三四次,其余时间都是坐在吧台上招呼客人。但那些以此为生的女人们就不一样了。“没有几 个人幸福,她们没有时间休息,对当事人几乎无权选择,而我主要选择教授。我有两名教授,一名博士,一名董事长。也有许多年纪大的人。都是一些特殊的顾客。 我有时感到力不从心,不过没关系,因为我信心十足。在性虐恋游戏中,姑娘们互相之间都很友好,这有别于普通的色情行业。可能缘于我们大多都拥有一个毁掉了 的童年吧。在游戏中我们找到了一个阀门做出口。

事 情彼此间都是互相连带的。”我说,这些故事对我来说听起来感觉都很愉快,“那你也肯定有过让你恶心的客人吧?”但安娜随即否认了我的说法,“开始时有过。 但于这行比当护士还是好多了。尽管我要清理呕吐物,换洗带血的床单,要面对怪模怪样盯着我的客人,等等”,安娜耸耸肩,继续说道,“他能奈我何呢?我绑着 他呢,大不了我最后给他撸出来。而且我还戴着手套,所以没有医院那么脏,那么恶心。这不过是个职业而已,但比做护士有利可图多了。当然啦,也没散步那么简 单。这与兴趣无关。”安娜说,她从未想过做一名普通的妓女,那样就超出了她的界线。

安娜及其所从事的职业对于许多人来说都很好奇,不过也有另外一些人希望与她一刀两断。她的男朋友倒是无所谓,只有她母亲不愿意了解其中的一些细节。

我问 安娜,她母亲是否觉得自责。“是啊”,安娜附和道。安娜在青春期时就把真相和盘托出了,“如果那时您把心思用在我身上,我的人生也许就是另外一番样子 了。”她对母亲说道。“当时母亲很是愤怒,不过现在她维护着一个与人格障碍相关的互联网社区,给那些与她有着相同经历的母亲提供帮助”。

世事 变迁。连安娜也在寻找现实自我的途径。她正在读高中,苦读拉丁文和新正字法。她的目标是当个天文物理学家。“是啊,天文物理学令我着迷。这是一个我永远无 法去验证的一门科学,这门科学试图从根本上解释世间奥秘和不可知世界,而所有这些肯定是大于我们人类的理解范围。一个永远的谜,而我对谜着迷。”

我问安娜是否幸福。

是的”,她说,“我想我是幸福的,因为我可以主宰自己的生活。”不过,她坦诚也担心这种幸福会是昙花一现,不知何时就会消失。

我想我们可以留住幸福。天文物理学家和哲学家哈拉德勒 施曾经说过这样的话:对乐现主义来说没有选择!”安娜对此深信不疑。总而言之,她是个积极向上的人。当然,也允许有消极因素的存在。而这些消极因素最终也 塑造了安娜,所以她也就能更容易忍受。然后她又向我讲述了她生活中绝对幸福的时刻。在这一时刻,积极与消极可以说在某种程度上合二为之了。

两年前,我男友解除了商业保险,送给我一个海上度假游。我乘坐阿伊达卡拉号船前往娜威。这是条小船,只有12层 甲板。十一级大风。太棒了!我从没有在这三天里那样幸福过。我完全一个人。几乎无法走动。我用一根缆绳把我自己和椅子绑在了九层甲板的阳台上。大浪直扑六 层甲板,有时候游船半倾,水浪都漫到了我的脚下。我两眼紧盯着大海,但并不恶心。我只知道,面对所发生的一切我无能为力。我很幸福。我完全回归了自我,我 就是我。”

我们坐在科隆音乐厅门口,两个小时过去了,我们都感觉到了一丝凉意。虽然我还有许多问题,但还是决定就此打住了。不过还有一个问题我想知道

我在书里如何称呼你呢?”

她思索片刻,回答说:“叫我安娜吧,我喜欢这个名字。”