Portrait: Menachem Amitais langer Weg von Israel nach Deutschland

Menachem Amitai, 75 Jahre, jüdischer Arzt und Psychologe

Menachem Amitai ist Psychoanalytiker und Arzt. Er hat eine eigene Praxis, ist Supervisor und Gutachter und liebt seinen Beruf noch heute genau wie zu Beginn, vor vierundvierzig Jahren. »Es ist eine Arbeit mit Menschen, die Spaß macht«, sagt er. »Geschichten, wie das Leben sie schreibt.« Er hat es geschafft, wenn man so will, er lebt in einer Stadt, in der er sich schon seit Jahrzehnten wohlfühlt, er hat eine Familie, Frau, Kinder, und verdient genügend Geld. Vor allen Dingen aber hatte er viel Glück. Das sagt er im Verlaufe des Interviews immer wieder. Immer wieder:

»Schon wieder Glück gehabt!«

»Warum haben Sie denn so viel Glück gehabt?«, frage ich. »Haben Sie eine Erklärung dafür?«

»Überhaupt nicht«, antwortet Menachem. »Ich glaube aber, Chancen kommen bei vielen Menschen.« Er überlegt. »Vielleicht wird eine Chance dann erst zu einem Glück, wenn man wirklich daran arbeitet.«

»Und Sie haben daran gearbeitet?«

»Ja, ich musste Ehrgeiz entwickeln. Ich hatte kein Abitur und wollte unbedingt Arzt werden.«

Als er noch in seiner Heimatstadt Tel Aviv lebte, war er ein unglücklicher junger Mann und musste gegen vielerlei Widerstände kämpfen. Doch wenn er so zurückdenke, seien da auch immer irgendwelche Zeichen gewesen. »Ich wusste nicht, dass das Zeichen sind, aber ich habe sie genutzt.« Der Ursprung aller Widerstände lag jedoch genau genommen in dem Umstand, dass er einen Zwillingsbruder habe. Einen Zwillingsbruder, der als erster geboren wurde, der als erster alles vor ihm gemacht habe, der „pflegeleicht und bügelfrei“ war und vor allen Dingen alles besser konnte als er selbst. Dieses »Nimm dir ein Beispiel an deinem Bruder!« bekam Menachem häufig zu hören. Er selbst war als Kind ungestüm und wild und außerdem schlecht in der Schule. „Nicht wirklich schlimm“, findet er heute, aber eine schlechte Kombination, wenn man seinen Eltern gefallen wolle, die sich trotz bescheidener Verhältnisse so viel Mühe gaben, alles in die Bildung und Erziehung ihrer Kinder zu stecken.

„Dieses Nicht-genug-Sein, Nicht-richtig-Sein, das hat mich immer gequält und unter Druck gesetzt.“

Und dann auch noch das: Gerade als er das Abitur nachholen wollte, kam ihm der Armeedienst dazwischen. Er wurde eingezogen. Das war 1956. Die Zeit des Suezkrieges. Für einen unsicheren Jungen, der zudem andere Pläne hatte, war dies kein guter Start ins Mannwerden und doch: Genau genommen habe sich bereits dort sein Glück begonnen zu regen. Mitten im Unglück und mitten in der Sinaiwüste. »Wie das?«, frage ich. »An einem Vormittag hat es einen Luftangriff gegeben«, erzählt Menachem. Ein Kugelhagel durch ägyptische Jagdflugzeuge. Nirgendwo habe man sich verstecken können. Alles offenes Gelände. Die Einschüsse gingen ganz nah neben ihm nieder. Erschreckt und instinktiv rannte Menachem zu jemandem, der verletzt am Boden lag. »Und das hat mein Leben gerettet. Da habe ich wirklich Glück gehabt«, sagt er, denn genau dorthin haben die Flugzeuge nicht mehr geschossen.

»Also mein Glück beginnt damit, dass ich kapiert habe: Ich sterbe nicht. Noch nicht!«

Aber Angst habe er gehabt. Natürlich. Eine wahnsinnige Angst. »Es gab ein Vorbild damals«, sagt Menachem, »wie man als israelischer Mann sein musste, hart und stark“, und er aber habe zu achtzig Prozent überhaupt nicht dazu gepasst. Als er dann aus dem Kriegsdienst entlassen wurde, war er einfach nur noch orientierungslos, wusste nicht mehr, „was ist richtig, was ist falsch“. Der Druck war so groß. Die Bilder des Krieges verfolgten ihn nachts in seinen Träumen. Nur eines war für ihn klar: „Ich bin ein Versager.“ Seine damaligen Gefühle bezeichnet er noch heute als Macken und Neurosen. Immer wieder.

Verwundert blicke ich ihn darum an. Verstehe nicht recht. Wieso Macken? »Ich sehe Sie als neunzehnjährigen Jungen, der wie viele nicht weiß, was er will.« »Ja«, erwidert Menachem, »aber damals ahnte ich nicht, dass andere das auch nicht wissen.«

Als er später dahinter kam, dass es anderen tatsächlich auch nicht besser erging als ihm, man nur nicht darüber redete, wollte er es nicht dabei bewenden lassen. »Ich wollte weiter. Und da habe ich wieder Glück gehabt«, denn irgendwo hörte er, dass es so etwas wie PSYCHOANALYSE gebe. Vorstellen konnte er sich darunter nicht allzu viel, Hypnose vielleicht, doch etwas lockte in ihm an dem fremden Begriff und er war neugierig genug, sich damit näher zu befassen. Die Dinge fügten sich wieder. Bald fand er durch Zufall eine „Spezialistin“, eine jüdische Psychoanalytikerin, die aus Deutschland stammte und 1936 von Berlin nach Palästina geflüchtet war. Das war ein Volltreffer. Eineinhalb Jahre blieb Menachem bei dieser Dame in Behandlung. Nur als Heldentat könne man das schon wieder kaum bezeichnen, sagt Menachem, nicht für damalige Wertmaßstäbe.

»Wenn man zum Arzt geht, weil man Bauchschmerzen hat, ist okay, aber wenn man zum Arzt geht, weil man seinen seelischen Haushalt nicht so ganz in der Hand hat, das war ein Makel.«

Wieder musste Menachem Spott ertragen. Diesmal von seinem Bruder, der die Analytikerin geringschätzig Psychopathin nannte. Egal, wichtig war allein, dass jene Analytikerin Menachem in die Spur zu bringen vermochte. Denn das tat sie. Die Stunden dort waren ihm sogar so viel wert, dass er, um sie sich leisten zu können, neben der Abendschule, in er nun sein Abitur nachholte, von zehn Uhr abends bis fünf Uhr morgens noch in der Autobus-Kooperative seines Vaters arbeiten ging. »Es war schwer und schön«, sagt Menachem, aber vor allen Dingen sei es das erste Mal gewesen, dass er das Gefühl hatte: »So, jetzt.« Außerdem erntete er endlich die Anerkennung seines Vaters. Dieser sagte: »Wenn du das geschafft hast, dann schaffst du auch Medizin.« Denn das Medizinstudium, das war noch immer das hehre Ziel. Während einer der damaligen Analysesitzungen kam Menachem dann ein zündender Gedanke. DER zündende Gedanke überhaupt. Und es lag plötzlich ganz klar auf der Hand. Er sagte: »Ich werde selbst Analytiker!« – »Weißt du was«, habe daraufhin die Analytikerin geantwortet, »ich glaube, das schaffst du!«

Menachem strahlt: »Die Frau war mein Glück.« Vielmehr: »Es war mehr als Glück!«, denn endlich hatte er erkannt, dass die Dinge in seiner Hand liegen. »Bevor ich zur Analyse gegangen bin, dachte ich immer, mein Bruder bekommt alle Chancen, ich keine. Und ich hatte nun die Möglichkeit, anstatt mich zu bedauern, jetzt mal zu gucken, wo sind meine Chancen.«

Sein Blick öffnete sich also und auf einmal erkannte er seinen Weg. Dass er in Tel Aviv keinen Studienplatz für Medizin aufgrund des hohen Numerus Klausus bekommen würde, war ihm klar, aber nun haderte er nicht mehr mit seinem Schicksal, sondern suchte ganz pragmatisch nach einer Alternative, einem Plan B. »Und was passierte?« »Ich ging zu einem Verwandten nach München«, sagt Menachem. Das war 1959. Er begann Deutsch zu lernen, schrieb sich an der Uni ein und ehe er sich recht versah, war aus ihm ein richtiger Student geworden. Ein Medizinstudent in Deutschland. »Ein jüdischer Student im Nachkriegsdeutschland«, vervollständige ich. »Wie ist das gewesen?« Es sei so, sagt Menachem:

»Mein Vater kam aus Polen und hat den Großteil seiner Familie in Auschwitz verloren. Als es darum ging, nach Deutschland zu gehen, hat er gesagt, ich soll wissen, dass ich die Menschen nicht danach beurteilen soll, ob sie Deutsche sind oder Juden oder was auch immer, sondern, dass sie Menschen sind. Er hatte also nichts dagegen.«

Hier, sage ich, habe sich damals ein Großteil der Jugend nicht mit ihren Vätern identifizieren können, weil diese für Hitler in den Krieg gegangen sind. »Wie war das in Israel?« »Nicht anders!«, erwidert Menachem. »Warum?«

»Weil die Eltern sich wie Schlachtvieh haben umbringen lassen.« Außer der Rebellion im Warschauer Ghetto sei ja nichts gewesen. »Es gab keinen Widerstand.« Und das spüre man in Israel noch immer. »Diese Holocaustangst. Dass da was brütet.« Die Angst sitze »verdammt in den Knochen«, und die Devise sei: »Wir lassen uns nicht schlachten wie unsere Eltern.«

Für ihn selbst war das damals allerdings ohne Belang. In Deutschland ist er nur ab und zu mit diesem Problem konfrontiert worden. Manchmal auf Festen, wenn die Leute getrunken hätten, dann sei manchmal »was Braunes« rausgekommen. Viele ehemalige Soldaten hätten dann plötzlich begonnen, von der Armee zu schwärmen, als sei das die schönste Zeit ihres Lebens gewesen. »Ich habe mir überlegt: Vielleicht stimmt das auch. Das war ja deren Jugendzeit, die für sie das Schönste sein sollte. Aber das hat mich nicht wesentlich gestört.« Viel unangenehmer sei ohnehin die andere Variante gewesen, nämlich wenn man ihn als Jude hofiert habe. Doch insgesamt ging es ihm ja gut in Deutschland. Er fühlte sich wohl. Er lernte, er war fleißig. Das Psychologieexamen schloss er 1964 ab, 1967 Medizin und das psychoanalytische Kolloquium 1971. Was er sich immer gewünscht hatte, nun hatte es sich erfüllt. Und das nur, da ist er sich sicher, weil er in seiner Jugend so unglücklich und „gestört“ gewesen war. »Hätten meine Eltern mich nicht so neurotisiert«, sagt Menachem, »und wäre ich nicht ständig so im Vergleich zu meinem Bruder gestanden, wäre ich heute kein Analytiker. Das war letztendlich meine Chance.« Aber die Wirklichkeit hat ja bekanntlich mehrere Gesichter. Und auch, wenn das Verhältnis zum Bruder unbestritten belastet sei, es gab da noch, wie Menachem nun einfällt, jene Geschichte … :

»Es muss der Sommer 1951 gewesen sein, wir beide waren circa dreizehn Jahre alt und sind – wie an jedem Samstag – ins Mittelmeer schwimmen gegangen, an dem sogenannten Acadia-Strand, bei Herzliya, ein sehr beliebter Strand. Es waren einige tausend Badende am Strand, und ich sonnte mich gerade, als ich den plötzlichen Drang verspürte, wieder ins Wasser zu gehen.«

Ein vages, undefinierbares Gefühl. Plötzlich auch vermengt mit der Sorge um seinen Bruder. Wo war der bloß? Er begann ihn zu suchen und fragte sich durch. Man glaubte gesehen zu haben, wie er weit hinausgeschwommen sei. Also folgte Menachem diesen Vermutungen. »Ich schwamm tiefer und tiefer und tatsächlich – gegen jede Logik – habe ich ihn noch beizeiten gefunden, denn er kämpfte mit einem Muskelkrampf im Bein gegen das Ertrinken.« Obwohl er selbst kein guter Schwimmer war, hat Menachem es geschafft, ihn bis an den Strand zu schleppen. Diese bedeutende Episode wurde im Laufe der Jahre fast vergessen. Von Menachem. »Aber circa fünfundzwanzig Jahre später hat mich mein Neffe – der jüngste Sohn meines Bruders – daran erinnert: In der Schule sollten die Schüler einen Aufsatz über deren Eltern schreiben, und mein Neffe schrieb darüber, dass dies ein wichtiger Augenblick im Leben seines Vaters gewesen war.« Menachem fragte also seinen Bruder: »Hast du es nicht vergessen?« Und der Bruder sagte: »Wie konnte ich? Du hast mir das Leben gerettet!«

All das ist lange her. Froh ist Menachem, dass ihm zu seinem Bruder auch diese Geschichte eingefallen ist. Dass zwischen ihnen nicht nur Neid und Konkurrenz war. Doch wie auch immer es sich damals wirklich verhielt, heute belastet ihn der Konflikt ohnehin längst nicht mehr. »Weil ich mein eigenes Leben habe«, sagt er. Und klar, nun ist er ja schon fünfundsiebzig, hat längst selbst erwachsene Kinder. Wie er haben sie ihre Heimat verlassen und das Glück in der Ferne gesucht. Sie wohnen in San Diego, Spanien, London und führen ein erfolgreiches und selbstständiges Leben, ermöglicht nicht zuletzt dank der finanziellen Unterstützung ihrer Eltern. Den Weg ins Leben, sagt Menachem, habe er ihnen so glatt wie möglich machen wollen. »Schwierigkeiten genug im Leben werden sie schon haben. Wir wissen gar nicht, was auf uns alles zukommt.« Er habe ihnen einfach einen guten Start geben wollen. »Geld ist da, um es zu benutzen. Ich sehe, dass sie ein gutes Herz haben. Der Rest ist bei Gott.«

Apropos Gott. »Der jüdische Glaube. Spielt der eine Rolle in Ihrem Leben?« Menachem schüttelt den Kopf. Nein, orthodox sei er nur in dem Sinne, dass er an Gott glaube. Er verkehre wohl ab und an in der Synagoge, sei dort auch mal Gemeindevorstand gewesen, und er würde samstags auch nicht arbeiten. Seine Religion habe allerdings mehr mit Heimatverbundenheit zu tun. Oder besser gesagt: mit Heimatrückverbindung. Deutschland sei sein Zuhause, nicht aber seine Heimat. Zum Ausgleich spielt er Geige in zwei Orchestern und gestaltet manchmal Liederabende. Da singt er dann jiddische Lieder und holt auf diese Weise ein wenig Heimat nach Hause.

»Und Ihre Frau?«, frage ich.

»Ist konvertiert!«, sagt Menachem.

»Wieder Glück, nehme ich an.«

»Ja, weil ich das nicht als Voraussetzung sah.«

Sein Sohn habe die Barmitzwa gewollt. »Und das wäre nicht gegangen, wenn meine Frau nicht auch konvertiert wäre.« Bei den Juden, sagt er, wird die Religionszugehörigkeit über die Mutter weitergegeben. »Also ist meine Frau konvertiert.« Danach habe sie angefangen aufzupassen, dass er dies und jenes nicht macht. Menachem lacht. »Ich darf es nicht so laut sagen: Sie hat mich fast missioniert.«

Ich frage, ob er außer Singen und musizieren noch andere Hobbys hat. »Das reicht«, sagt er wieder lachend. »Nicht joggen?«, frage ich. »Hier in Freiburg joggen doch alle!« »Nein«, erwidert Menachem, das sei ihm zu langweilig. Aber als er es doch mal tat, hat er danach wenig Luft bekommen und jene berühmten Schmerzen an der linken Seite gehabt. Er sei dann schnell zum Arzt gegangen. Glücklicherweise schnell genug. »Also kurz vorm Herzinfarkt?« »Ja. Sehr kurz.« Seine Mutter, sagt er, sei mit fünfundachtzig an einem Herzanfall gestorben, und der Vater starb mit sechsundsechzig an Krebs. »Also wenn ich die Gene meiner Mutter bekommen habe, dann habe ich schon wieder Glück gehabt. Und es wäre mir viel lieber so, denn an Magenkrebs zu sterben.«

»Dieses ›Glück gehabt‹«, sage ich, »was ist das denn? Göttliche Fügung, innere Stimme …?«

»Innere Stimme nicht«, sagt Menachem. »Irgendwas zwischen Zufall und Fügung. Ich weiß nicht. Es wäre doch unangemessen zu denken, dass der liebe Gott nichts anderes zu tun hat als mir …«

»… ach, der Menachem wieder!«

»Jaja. Ich habe halt ganz einfach Glück gehabt.«

»Haben Sie noch einen Traum?«

»Ja: Frieden«, sagt Menachem schnell und meint nicht seinen eigenen, sondern den Frieden in Israel. Seine Schwester, erzählt er, sei bei einem Selbstmordattentat in einem Bus ums Leben gekommen. Ein schlimmer Schock für alle. Das war 1995. „Aber noch heute habe ich, wenn das Telefon klingelt, Angst vor einer erneuten Nachricht dieser Art.“ Bevor so etwas passiere, sagt er, habe man eine narzisstische Schutzhaut. »Wo man denkt, so was kann mir nicht passieren. So wie Raucher denken: Nur die anderen bekommen Lungenkrebs. Und nachdem so was passiert ist, ist diese Schutzhaut weg. Das ist mein Traum, dass das aufhört. Dass das Töten aufhört. Alles andere ist machbar.«

Er wisse nicht, wie es weitergehe. Aber er ist froh, dass er mit fünfundsiebzig noch gesund ist und dass er immer noch arbeiten kann. Es gäbe da so ein altes jüdisches Sprichwort: »Ich habe viel von meinen Lehrern gelernt, viel mehr von meinen Gleichaltrigen und am meisten von meinen Schülern.« Das treffe auch auf ihn zu und unterstreiche die Lebensphilosophie, dass das Geben und Nehmen kein Bankkonto sei.

»Bankkonto im Bezug aufs Leben heißt: Wenn ich was gebe, verliere ich was. Dann muss ich sehen, dass Geben und Nehmen gleich ist, die Bilanz stimmt. Beim Menschen ist es aber umgekehrt: Wenn ich was gebe, dann habe ich dadurch gewonnen. Ich hoffe, das klingt nicht zu moralisierend, aber es stimmt. Etwas zu geben zu haben ist Glück.«

In einem Freiburger Altenheim habe er mal etwas ganz Schönes erlebt: »Wir haben für die Hausbewohner Musik gemacht, und danach sagte eine alte Frau zu mir: ›Nehmen Sie meinen Orangensaft. Ich habe sonst nichts zu geben. Nehmen Sie meinen Orangensaft.‹«

Das Gespräch neigt sich dem Ende. All das, was uns hier in seinem Wohnzimmer umgibt, die Bücher, die Zeichnungen an den Wänden, die jüdischen Accessoires, all das, was einen Geist, eine Geschichte verströmt, angesammelte Mosaikstücke eines Lebens, was behaglich und freundlich wirkt, hat nun ein Gesicht bekommen. Mosaikstücke eines Mannes, der seine Heimat in Israel verließ, um sich selbst zu finden und zu verwirklichen. Mosaikstücke, die ihm nicht zufielen und irgendwie doch. Glück und Unglück zugleich. Auch müsse er wirklich noch einmal betonen, dass ihm klar sei, dass nicht jeder solche Chancen in seinem Leben bekomme wie er, dafür sei er einfach dankbar, aber er wisse wirklich nicht, womit er das verdient habe. Und genau deswegen:

»Ich schätze, das ist eine ganz tolle Geschichte.«

© Simone Harre

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1 Kommentar

  1. ….dass ein jeder, einzigartiger hauptdarsteller eines einzigartigen lebensfilmes…..hauptfigur und autor zugleich, eines einmaligen romans ist, den uns das leben schreiben lässt….und jede seite des eigenen lebensbuches ist verknüpft mit unzähligen anderen lebensbüchern eines unfassbar großen,gigantischen,multidimensionalen,ewigen sich unentwegt vorwärts und rückwärts schreibenden urbuch allen seins.

Ich freue mich über eure Kommentare!

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